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Sicherheit von mobilen Agenten auf elektronischen Märkten

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3 Elektronische Agenten

Wie im vorangegangenen Kapitel gezeigt, können Suchen nach geeigneten Geschäftspartnern oder Preisverhandlungen sehr zeitaufwendige Routineprozesse sein, die den Marktteilnehmer von wichtigeren Arbeiten abhalten. Eine mögliche Lösung für dieses Problem sind elektronische Agenten oder auch Softwareagenten, die diese zeitaufwendigen Arbeiten für ihren Benutzer eigenständig erledigen. Die Forschung im Bereich von Agentensystemen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Immer mehr Universitäten und andere Forschungsinstitute arbeiten an der Entwicklung von neuen Systemen, oder an der Verbesserung bereits bestehender Ansätze. Dabei ergeben sich eine Reihe von Eigenschaften, die einen Softwareagenten auszeichnen. Im folgenden werden die wichtigsten dieser Eigenschaften kurz vorgestellt. Für detailliertere Beschreibungen wird auf [Mand98] verwiesen.

3.1 Definition

Obwohl Agentensysteme bereits seit mehreren Jahren erforscht und entwickelt werden, gibt es im Moment noch keine einheitliche Meinung, was genau ein Softwareagent ist, und welche Eigenschaften ihn von anderen Programmen unterscheiden. Jeder, der in diesem Bereich arbeitet, definiert sich den Begriff des Agenten speziell nach seinen Anforderungen.

Eine allgemeine Definition von Softwareagenten nach [HKLM95] lautet :

"We can define an agent as anyone or anything that acts as a representative for another party, for the express purpose of performing specific acts that are seen to be beneficial to the represented party. A software agent ... is a software program that performs tasks for its user within a computing environment." ([HKLM95] S.6)

Nach dieser Definition ist jedoch jedes Softwareprogramm ein Agent, da es Aufgaben für seinen Benutzer ausführt. Um einen Softwareagenten von einem normalen Programm zu unterscheiden, muß diese allgemeine Definition um weitere Eigenschaften erweitert werden.

3.2 Eigenschaften

3.2.1 Autonomie

Foner schreibt in seiner Studie [Fone93], daß ein Agent auf jeden Fall in der Lage sein muß, autonom, also unabhängig von einer Interaktion mit seinem Benutzer, zu handeln. Wörtlich heißt es bei ihm : "Any agent should have a measure of autonomy from its user. Otherwise, it´s just a glorified front-end, irrevocably fixed, lock-step, to the actions of its user." ([Fone93], S. 35). Eine autonome Ausführung von Aktionen setzt voraus, daß der Agent die Kontrolle und den Überblick über seine Aktionen und seinen Status behält. Er muß ein gewisses Grundwissen über die Aktionen, welche er ausführen will, haben, über die Bedeutung dieser Aktionen, und über Aktionen, die er bereits ausgeführt hat. Autonomie ist eine wesentliche Eigenschaft zur Unterscheidung von Agenten und "normalen" Programmen.

3.2.2 Kommunikationsfähigkeit

Genesereth und Ketchpel [GeKe94] definieren eine weitere Eigenschaft, die ein Programm von einem Agenten unterscheidet. Sie sagen : An entity is a software agent if and only if it communicates correctly in an agent communication language such as ACL" ([GeKe94] S. 50). Dabei ergeben sich drei unterschiedliche Bereiche der Kommunikation :

  • Kommunikation zwischen Agent und Benutzer
  • Kommunikation zwischen Agent und Ausführungsumgebung (Rechner / Betriebssystem)
  • Kommunikation zwischen zwei Agenten

Die Kommunikation zwischen Agent und Benutzer, zum Zwecke der Aufgabenerteilung und der Ergebnisbekanntgabe, kann relativ einfach über die gängigen Arten von Benutzerschnittstellen (Formulare, Menüs, usw.) realisiert werden. Für die Kommunikation mit einem Rechner oder mit einem anderen Softwareprogramm (bspw. einem anderen Agenten) muß jedoch eine einheitliche Kommunikationssprache definiert werden. Eine solche Agent Communication Language ist die von Genesereth und Ketchpel vorgestellte ACL, die zum einen sehr kompakt strukturiert und damit einfach zu handhaben ist, zum anderen jedoch die Möglichkeit bietet, eine große Zahl unterschiedlicher Informationsarten zu beschreiben.

3.2.3 Intelligenz

Intelligente Agenten sind wesentlich komplexer zu realisieren, können aber sehr viel autonomer agieren. Sie greifen auf eine Wissensbasis zurück, um "logische" Entscheidungen zu treffen, die der Programmierer nicht konkret vorgeben konnte ([HKLM95], S. 7).

Diese Agentensysteme sind in der Lage, Problemlösungen zu entwickeln, Aktionen zu planen, oder ihr Wissen durch Lernprozesse zu erweitern. Intelligenz ist keine notwendige Eigenschaft von Agenten, sie fördert jedoch die Autonomie, da weniger Interaktion mit dem Benutzer nötig ist.

3.2.4 Mobilität

Eine letzte zu erwähnende Eigenschaft ist die Mobilität von Agenten. Mobilität bedeutet, daß ein Agent in der Lage ist, seine Position, also seinen physikalischen Ort im Netz, zu ändern. Dabei kann der Agent selbständig entscheiden, wann er dies tut, und wohin er migrieren (wandern) möchte. Er teilt seinem aktuellen Server zur Laufzeit mit, wohin dieser ihn senden soll. Der Server ist dann dafür zuständig, daß der Agent über das Netz an den Zielserver übertragen wird. Auf dem Zielserver läuft der Agent an der Stelle im Programm weiter, an der er auf dem Ausgangsserver angehalten wurde.

Rothermel, Hohl und Radouniklis unterscheiden in ihrer Arbeit vier Klassen von Mobilität ([RoHR97] S. 3ff.) :

Remote Execution Der Agent wird vor seiner Aktivierung auf einen entfernten Knoten übertragen, und läuft dort bis zum Programmende.
Code on Demand Auch hier wird der Agent vor seiner Aktivierung übertragen, die Initiative geht jedoch vom Client aus, der den Agenten über das Netzwerk lädt. Ein Beispiel hierfür ist das Java-Applet-Prinzip von Sun ([FrMu96], S. 2).
Weak Migration Der Agent migriert, während seiner Ausführung, auf einen entfernten Knoten. Dabei wird, neben dem Programmcode, auch der Status der Daten mit übertragen. Das Programm selber wird auf dem entfernten Knoten neu gestartet. Ein Programmstatus wird nicht mit übertragen, er muß vom Programmierer explizit in Form von Daten festgehalten werden.
Strong Migration Im Gegensatz zur oben erklärten Weak Migration werden hier auch Statusinformationen zum Programmablauf übertragen. Dies erfordert zum einen ein globales Agentenstatus-Modell und zum anderen eine Syntax, die es erlaubt diese Statusinformationen zu übertragen. Da der Status sehr große Datenmengen umfassen kann, ist die Strong Migration eine sehr teure und zeitaufwendige Operation. Für den Programmierer ist diese Variante hingegen sehr interessant, da der gesamte Übertragungsprozeß für ihn transparent abläuft. Eine der ersten Firmen, die eine kommerzielle Implementation einer Programmiersprache zur Entwicklung von mobilen Agenten nach dem Strong Migration Prinzip entwickelt hat, ist General Magic. In ihrer Telescript Technology ([Whit96] S.6) werden Agenten zu Paketen zusammengefaßt, die neben dem Programmcode und den dazugehörigen Daten auch Informationen zum Ausführungsstatus enthalten.

3.3 Einsatz auf elektronischen Märkten

Im folgenden soll nun betrachtet werden, welche Rolle Agenten in den einzelnen, in Kapitel 2.2 vorgestellten, Marktphasen einnehmen können.

Wie bereits erwähnt, zeichnet sich die Informationsphase durch ein hohes Maß an oftmals ähnlichen Informationsanfragen aus. So wird ein Interessent vor einem Autokauf bei vielen Anbietern Informationen über ein bestimmtes Modell oder eine bestimmte Fahrzeugklasse (z.B. Kleinwagen) sammeln, und dabei dieselben gewünschten Eigenschaften angeben. Aus diesem Grund können in der Informationsphase sehr gut elektronische Agenten eingesetzt werden, welche die zeitaufwendigen Anfragen für den Nachfrager übernehmen. Ein eventuelles Fehlverhalten eines solchen Agenten hätte für seinen Benutzer keine verheerenden Auswirkungen, außer daß er u.U. ein günstiges Angebot verpaßt. Der Nachfrager muß also kein großes Vertrauen in die Korrektheit des Agenten haben. Auf der anderen Seite könnte der Nachfrager die gewonnene Zeit dazu nutzen, sich bei einer größeren Zahl von Anbietern zu erkundigen, wodurch er vielleicht ein günstigeres Angebot bekommt, welches er sonst nicht gefunden hätte.

Der Anbieter könnte über eine intelligentere Form von Agenten die Anfragen verschiedener Kunden schnell und kostengünstig bearbeiten, so daß nur für sehr spezielle Anfragen ein Mitarbeiter für die Beantwortung hinzugezogen wird. Allerdings müssen die Informationen und Angebote, die ein Agent an den Nachfrager weitergibt, verbindlich sein, da sonst kein Nachfrager Interesse daran hätte, den Anbieter in seinen Preisvergleich mit einzubeziehen. Das würde einen immensen Wettbewerbsnachteil für den Anbieter bedeuten. Ein nicht korrekt funktionierender Agent, der z.B. zu niedrige Angebote weitergibt, hätte so jedoch große Auswirkungen für den Anbieter, der diese Angebote später erfüllen muß.

Für die Informationsgewinnung auf Anbieterseite können ebenfalls elektronische Agenten eingesetzt werden, die dann evtl. mit den Nachfrageragenten die gesamte Informationsphase übernehmen. Ein eventuelles Fehlverhalten der Agenten kann hier unterschiedliche Bedeutung haben, je nachdem welche Art von Informationen vom Nachfrager benötigt werden.

Generell lassen sich solche Informationen in zwei Klassen einteilen :

  • unkritische Informationen, bei denen Fehler in den Angaben keine schwerwiegenden Folgen hervorrufen
  • kritische Informationen, bei denen fehlerhafte Angaben zu finanziellen oder rechtlichen Folgen führen können

Unkritische Informationen werden meist Daten sein, die benötigt werden, um das Geschäft korrekt durchführen zu können (Adresse, Telefonnummer, usw.). Ein Fehler in den gesammelten Daten (bspw. eine verkehrte Empfängeradresse) wird irgendwann auffallen und kann dann meist relativ problemlos korrigiert werden. Daten, die dazu benutzt werden, um zu entscheiden, ob das Geschäft überhaupt durchgeführt werden soll (Einkommensverhältnisse, Vorstrafen, usw.), fallen in den Bereich der kritischen Informationen. Bei diesen läßt sich eine Korrektur oft nicht durchführen, und ein Fehler kann schwere Folgen für den Anbieter haben. Die Differenzierung von kritischen und unkritischen Informationen hängt stark mit dem Anwendungsgebiet zusammen. So wird die Konfektionsgröße eines Kunden bei einem Versandhaus sicherlich als unkritisch bezeichnet werden, während eine exklusive Maßschneiderei einen falsch gefertigten Anzug nicht mehr verwenden kann.

Die Vereinbarungsphase stellt eine kritische Phase dar, in der jede falsche Aussage eines Geschäftspartners direkte Auswirkungen auf seinen Nutzen haben kann. Die Geschäftspartner interagieren unter Umständen sehr stark miteinander, so daß ein großer Kommunikationsaufwand anfallen kann. Diese Kommunikation wird jedoch in den meisten Fällen sehr geschäftsspezifisch sein, und keine oder wenig Standardaufgaben enthalten. Elektronische Agenten können in dieser Phase zur Durchführung von Verhandlungen eingesetzt werden. Dazu bedarf es jedoch einer Verhandlungsstrategie, die den Präferenzen des Käufers bzw. des Verkäufers entspricht. Aufgrund der sensiblen Reaktion auf ein eventuelles Fehlverhalten, muß das Vertrauen des Besitzers in seinen Agenten sehr groß sein. Ein Einsatz von Agenten in der Vereinbarungsphase ist also an einige Kriterien gebunden, die zuvor erfüllt sein müssen.

Der Güteraustausch in der Abwicklungsphase setzt voraus, daß die auszutauschenden Güter in dem Moment zugänglich sind, in dem sie ausgetauscht werden. Für den Einsatz von Agenten bedeutet dies, daß ein Käuferagent Zugang zum Geld seines Besitzers, und ein Verkäuferagent Zugang zu dem gehandelten Gut haben muß. Das setzt ebenfalls ein sehr großes Vertrauen in die einzelnen Agenten voraus, da ein falsch durchgeführter Austausch unter Umständen nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Ebenso, wie in der Vereinbarungsphase müssen Agenten also bestimmte Kriterien erfüllen, bevor sie von ihrem Besitzer in dieser Phase eingesetzt werden.

Zusammenfassend läßt sich also sagen, daß elektronische Agenten vorwiegend in der Informationsphase Verwendung finden, da der erzielte Nutzen dort am größten ist, während die Anforderungen in Bezug auf Sicherheit und Korrektheit in dieser Phase noch relativ gering sein können. In der Vereinbarungsphase können Agenten für den Benutzer auch von Nutzen sein, die Korrektheitsanforderungen, sowie auch die Anforderungen an Vertraulichkeit und Integrität der ausgetauschten Daten sind jedoch wesentlich höher, was einen Einsatz schwierig macht. In der Abwicklungsphase wird schließlich ein hohes Maß an Vertrauen in die Agenten gefordert, welches sich nicht einfach realisieren läßt.

3.4 Vergleich von stationären und mobilen Agenten auf elektronischen Märkten

Um die Funktionsweise und die Vorteile von mobilen Agentensystemen auf elektronischen Märkten zu erläutern, sollen zunächst an einem Beispielszenario mit einem Direct-Search-Market die Nachteile der bis hierhin betrachteten, stationären Agenten aufgezählt werden.

3.4.1 stationäre Agentensysteme

Bei den bisher vorgestellten Agenten, die lokal auf dem Rechner des Benutzers laufen und von dort ihre Aufgaben erledigen, bleibt der gleiche Verbindungsaufwand bestehen, den der Benutzer selbst auch verursachen würde. Der Agent baut, genau wie der Benutzer, nacheinander eine Verbindung zu jedem einzelnen Marktserver auf, und fragt über diese Verbindungen die benötigten Informationen ab. Geht man vom einfachsten Fall aus, daß der Agent den Preis für ein bestimmtes Produkt vergleichen soll und dieses anschließend beim günstigsten Anbieter erwirbt, so benötigt man zur Informationsgewinnung bei jedem Marktserver genau zwei Verbindungen. Zuerst sendet der Agent die Abfrage an den Marktserver, woraufhin dieser die nachgefragten Informationen an den Agenten überträgt. Für eine Kommunikation mit n Marktservern werden also mindestens 2n Verbindungen für den Preisvergleich, und zusätzlich zwei Verbindungen für die Durchführung des eigentlichen Geschäftes benötigt. Man kann sich leicht Geschäfte vorstellen, bei denen sich die Anzahl der benötigten Verbindungen nicht auf zwei Verbindungen pro Anbieter beschränkt (z.B. Preisverhandlungen, Nachfrage nach mehreren Produkten, usw.). Für jede zusätzliche Information werden dabei pro Anbieter zwei zusätzliche Verbindungen für Request und Response benötigt.

Die Vorteile von stationären Agenten wurden bereits in Kapitel 3.3 aufgezählt. Die Systemauslastung des Benutzers, seine Gebühren für die Aufrechterhaltung der Internetverbindung, und die Verzögerungen durch die Kommunikation mit entfernten Servern werden durch den Einsatz eines solchen Agentensystems nicht reduziert.

3.4.2 mobile Agentensysteme

Durch die Benutzung von mobilen Agenten zum Preisvergleich auf verschiedenen Servern sinkt der Verbindungsaufwand. Der Agent wird, nachdem er vom Benutzer instruiert wurde, zum ersten Marktserver gesendet. Dort startet er vor Ort eine oder mehrere Anfragen, die ihm die nötigen Informationen liefern. Über eine mitgeführte Liste von Marktserver-Adressen wandert der Agent dann von Server zu Server und sammelt dabei die Informationen der einzelnen Anbieter. Beim letzten Anbieter angekommen vergleicht der Agent die gesammelten Daten, und ermittelt den günstigsten Anbieter. Er besucht erneut diesen Anbieter, handelt weitere Konditionen aus und tätigt das Geschäft, bevor er schließlich zu seinem Heimatserver zurückkehrt, und seinen Benutzer über die Ergebnisse seiner Arbeit informiert. Abbildung 3.3 zeigt graphisch den Ablauf des gleichen Geschäftes unter Benutzung eines mobilen Agenten.

Der Verbindungsaufwand hat sich durch die Verwendung von mobilen Agenten um annähernd 50% reduziert. Es wird jetzt für jeden aufgesuchten Marktserver nur noch eine Verbindung benötigt, um den Agenten an diesen zu übertragen. Da die eigentliche Kommunikation mit dem Marktserver lokal auf dem jeweiligen Rechner stattfindet, ist diese Zahl unabhängig vom Umfang der ausgetauschten Informationen. Für das abschließende Geschäft wird ebenfalls eine Verbindung aufgebaut, die den Agenten zum günstigsten Anbieter überträgt. Auch hier hat der Informationsumfang des Geschäfts keinen Einfluß auf die zu übertragenden Daten. Eine letzte Verbindung wird schließlich benötigt, um den Agenten zum Benutzer zurückzusenden, und diesen über den Status des Geschäfts zu informieren.

Nun wird auch ersichtlich, warum mobile Agenten lediglich aus der in Kapitel 2.5 betrachteten Rolle des Nachfragers von Bedeutung sind. Für die Instruierung und die abschließende Ergebnisbekanntgabe ist beim Nachfrager kein ständig laufender Server notwendig, auf welchem die Agenten ablaufen können. Somit ist es für die Anbieter nicht möglich, ihrerseits einen mobilen Agenten als "Handelsvertreter" zu verschiedenen potentiellen Käufern zu senden. Außerdem wäre der Nutzen solcher Vertreteragenten sehr fraglich, da sie eher eine Belästigung der angesprochenen Benutzer darstellen, und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis es Filter gäbe, die, ähnlich den Email-Filtern, solche Werbeagenten abweisen.

An dieser Stelle muß angemerkt werden, daß die zu übertragende Datenmenge um ein Vielfaches wächst, wenn man mobile Agenten anstelle einfacher Abfragen, beispielsweise über Remote Procedure Calls (entfernte Prozeduraufrufe), benutzt. Diese Tatsache wirkt dem oben beschriebenen Vorteil der Senkung des Verbindungsaufwandes entgegen, und bewirkt im Falle einfacher Anfragen sogar eine Verschlechterung der Performance. Man kann jedoch davon ausgehen, daß, gerade auf elektronischen Märkten, die Anfragen nicht so einfach sind, wie im Beispiel dargestellt. Es müssen in vielen Fällen zusätzliche Informationen zur Art des nachgefragten Produktes oder zu mit dem Produkt verbundenen Serviceleistungen ausgetauscht werden. Oftmals hängt die Art der zusätzlich benötigten Informationen von vorherigen Anfrageergebnissen ab. So wird ein Kunde erst dann nach der Möglichkeit einer Ratenzahlung fragen, wenn der Preis des Produktes eine bestimmte Höhe überschritten hat. Für solche voneinander abhängigen Anfragen reicht eine einzelne Verbindung nicht mehr aus. Es müssen mehrere Verbindungen nacheinander aufgebaut werden, und das mit jedem Server, dessen Angebot verglichen werden soll.

3.5 Eignung für unterschiedliche Marktformen

Wie bereits in Kapitel 3.3 festgestellt wurde, bewirken schon lokale elektronische Agenten, zumindest in der Informationsphase eines Direct-Search-Markets, eine erhebliche Verbesserung der Effizienz des Geschäftes. Sowohl der Käufer, als auch der Verkäufer sparen durch die Verwendung von solchen Agenten Zeit und haben dadurch die Möglichkeit, bessere bzw. mehr Geschäfte zu tätigen. Mobile Agenten bieten zusätzlich den Vorteil, mit einer erheblich niedrigeren Anzahl an Verbindungen auszukommen. Außerdem hat der Benutzer die Möglichkeit, die Verbindung zum Internet abzubrechen und sogar seinen Rechner auszuschalten, während der Agent seine Aufgaben ausführt.

Geht das Geschäft in die Vereinbarungsphase über, wird der Vorteil der Mobilität besonders deutlich. Verhandlungen über endgültige Preise, Lieferkonditionen, usw. können unter Umständen sehr umfangreich sein und einen großen Kommunikationsbedarf hervorrufen. Würden solche Verhandlungen mit einem lokalen Agenten oder durch den Benutzer selber durchgeführt, so müßte für jedes Angebot und jede Reaktion eine neue Verbindung aufgebaut werden. Es kann also eine große Anzahl an Verbindungen benötigt werden, bis der endgültige Preis feststeht. Ein mobiler Agent wird zu Beginn der Verhandlung einmal auf den entfernten Marktserver übertragen (wenn er nicht aus der Informationsphase schon dort ist) und kann dann dort lokal die Verhandlungen führen. Schließlich wird er am Ende der Verhandlungen mit dem Ergebnis zurück zu seinem Ausgangsserver gesendet.

Handelt es sich bei dem gehandelten Gut um ein Produkt in digitaler Form, so kann der mobile Agent nach der Vereinbarungsphase ohne eine zusätzliche Verbindung das Geschäft direkt abschließen und das erworbene digitale Gut mitnehmen. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß der Agent entweder den benötigten Betrag als digitales Geld bei sich trägt, oder daß er für seinen Benutzer digitale Signaturen ausstellen kann.

Bis hierhin ergeben sich schon mehrere Probleme, die gelöst werden müssen :

  1. Der Agent benötigt für die Vereinbarungsphase eine entsprechende Strategie, welche den Präferenzen seines Benutzers entspricht. Dafür ist ein gewisses Maß an Intelligenz erforderlich, um auch auf ein unvorhergesehenes Verhalten des Anbieters reagieren zu können. Diese Intelligenz zur Verfügung zu stellen ist Gegenstand der Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz (Artificial Intelligence) und wird hier nicht weiter betrachtet.
  2. Sobald der Agent in der Lage ist, kritische Aufgaben, wie Vertragsabschlüsse und Preisverhandlungen, für seinen Benutzer durchzuführen, bedarf es einer Absicherung des Agenten gegen Angreifer, die Verhandlungsstrategien auslesen oder gefälschte Vertragsabschlüsse erzeugen könnten. Außerdem müssen Daten wie digitales Geld oder Secret Keys in geeigneter Weise vor unbefugten Zugriffen geschützt werden. Dieses Problemfeld ist Gegenstand der nachfolgenden Kapitel dieser Arbeit.

Nachdem die Vorteile von mobilen Agentensystemen auf Direct-Search Markets herausgestellt wurden, sollen nun die anderen Marktformen hinsichtlich ihrer Eignung für mobile Agenten untersucht werden. Dabei ergeben sich in der Abwicklungsphase keine Unterschiede bei den vier Marktformen, so daß diese Phase im folgenden nur am Rande betrachtet wird. Große Unterschiede ergeben sich jedoch für die Informations- und die Vereinbarungsphase, in denen Agentensysteme, wie bereits gezeigt, den größten Nutzen bringen.

Ein Geschäft auf einem Brokered Market ist im Grunde genommen dadurch charakterisiert, daß die Informationsphase des Nachfragers stark komprimiert ist. Dieser gibt dem Broker lediglich die Informationen über das von ihm gewünschte Gut bekannt. Die aufwendige Suche nach einem passenden Anbieter und die Verhandlung über die Konditionen wird vom Broker erledigt, der sich in dieser Rolle meistens wieder auf einem Direct-Search Market befindet.

Ähnlich wie bei den Brokered Markets, ist die Informationsphase im Falle von Dealer Markets für den Nachfrager ebenfalls stark dezimiert. Der Käufer muß nicht mehr viele einzelne Anbieter überprüfen, sondern nur noch wenige Dealer aufsuchen. Die Dealer werden jedoch nur standardisierte Produkte führen, für die sie feste Preise auf der Basis ihrer Einkaufspreise verlangen. Dadurch wird auch die Vereinbarungsphase stark verkürzt, so daß der Einsatz von mobilen Agenten in diesem Fall keinen so großen Nutzen bringt, wie bei den Direct-Search Markets. Trotzdem können auch auf Brokered und Dealer Markets Agentensysteme vorteilhaft sein, wenn sie keinen großen Implementationsaufwand benötigen.

Die letzte betrachtete Marktform, der Auction Market, zeichnet sich entweder durch eine sehr einfache Vereinbarungsphase aus, in der die Teilnehmer feste Angebote abgeben, die vom Auktionator zusammengeführt werden, oder es wird eine sehr große aber simple Vereinbarungsphase durchlaufen, wobei die Preisverhandlung in diesem Fall eine diskrete Versteigerung ist. Die Informationsphase ist in dieser Marktform fast vollständig auf eine Übertragung von Angebotsinformationen vom Anbieter an den oder die potentiellen Käufer reduziert. Die Verhandlungsstrategie, die ein Agent im zweiten Fall benutzen muß, kann sich im einfachsten Fall darauf beschränken, ein Höchstgebot zu setzen, bis zu dem der Agent in festen Intervallschritten sein Angebot erhöht. Agenten können also sehr einfach auf einem Auction Market eingesetzt werden, obwohl auch hier der erzielte Nutzen nicht so groß ist, wie auf einem Direct-Search Market.

Zusammenfassend läßt sich also sagen, daß Agenten, und gerade mobile Agenten, den größten Nutzen auf Direct-Search Markets erzielen, da ihre Fähigkeiten, die Informationsphase zu vereinfachen, hier voll ausgeschöpft werden. Die anderen Marktformen zeichnen sich dadurch aus, daß eine oder mehrere Phasen des Geschäftsprozesses vereinfacht werden, wodurch sich der Nutzen von Agenten reduziert. Trotzdem können Agenten auch auf diesen Märkten noch effizient eingesetzt werden, unter der Voraussetzung, daß ihre Erstellung keinen unverhältnismäßigen Aufwand hervorruft.

In Bezug auf die in Kapitel 2.4 aufgezählten Merkmale läßt sich feststellen, daß die Offenheit durch mobile Agentensysteme durchaus eingeschränkt wird. Sowohl Anbieter als auch Nachfrager müssen spezielle Software installieren und einrichten, mit der Agenten erstellt und ausgeführt werden können. Die Skalierbarkeit hängt davon ab, wie effizient mobile Agentensysteme mit einer Vielzahl von Agenten arbeiten können. Dazu läßt sich aufgrund der mangelnden Erfahrung mit solchen Systemen, bisher noch keine Aussage treffen. Daher kann die Frage nach der Kompatibilität ebenfalls nur negativ beantwortet werden, da es noch keine anerkannten Systeme bzw. Standards gibt.

Ein wichtiger Punkt, der gerade auf elektronischen Märkten von Bedeutung ist, ist die Sicherheit. Hier ergeben sich verschiedene Probleme. Zum einen haben mobile Agenten den Nachteil, daß das Agentenprogramm, welches auf einem entfernten Rechner ausgeführt werden soll, völlig unter der Kontrolle dieses Rechners steht. Der Benutzer kann und soll aufgrund der Autonomie des Agenten (vergl. Kapitel 3.2.1) nicht überprüfen, ob dieses Programm richtig ausgeführt wird, ob seine Daten manipuliert werden oder ob das Programm zerstört wird. Auf der anderen Seite weiß der entfernte Rechner nicht, welche Funktionen das Programm ausführt, ohne es vorher analysiert zu haben. Würde er ein unbekanntes Programm ohne weiteres ausführen, so bestünde ein großes Risiko, daß durch Virenprogramme oder Trojanische Pferde lokale Daten des Rechners ausgelesen, manipuliert oder sogar zerstört werden. Im folgenden Kapitel werden unterschiedliche Risikobereiche von mobilen Agentensystemen analysiert, und grundsätzliche Bedrohungen aufgezählt.

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